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Seat Leon von Mathias Polsterer

König der Löwen

25.12.2017 13:00 Uhr

Text: Nick K. Hofmeister | Fotos: Martin Riedmann


Königlich tritt dieser wunderschöne Seat Leon in Erscheinung: tief, breit und schick. Ein echtes Showtalent, das mit seinem „OEM+"-Tuning zu überzeugen weiß.

Es tut mir leid. Die Überschrift ist nicht gerade originell. Sie klingt zu sehr danach, als hätte ich ins nächstbeste Fernsehprogramm gelinst und wäre über die offensichtliche Eselsbrücke mit dem Walt-Disney-Schinken „König der Löwen" gestolpert. Aber keine Überschrift trifft es besser, schließlich geht es hier um einen der perfektesten Seat Leon II der vergangenen Jahre. Der 21-jährige Matthias Polsterer aus Österreich hat sich den Seat 2012 als Neuwagen gekauft. Das war damals wohl ein reiner Vernunftkauf, denn anders kann ich es mir nicht erklären, dass man sich ein 105 PS starkes Auto kauft. Okay, als ich Fahranfänger war, hatte mein erster Polo gefühlte 100 PS weniger und erklomm mit seinem schwachbrüstigen Motor jede Steigung nur im zweiten Gang. Die Bassreflexbox war wohl zu schwer ... Aber um Leistung ging es dem österreichischen VAG-Fan nie, vielmehr mag er schön in Szene gesetzte Fahrzeuge. Als Matthias 2013 die Night of Wheels (www.night-of-wheels.at/) besuchte, war es um ihn geschehen: „Eigentlich sollte der Seat ein Alltagsauto bleiben." Zum Glück nicht!

Vergiss den Alltag und tune!

Der Plan, nur an den Rädern und eventuell etwas am Fahrwerk zu machen, wurde nach dem Besuch der Night of Wheels verworfen. Gleich im Winter 2013/2014 ging es richtig los. Der Seat musste runter, richtig runter auf die Straße. Das bereits montierte Gewindefahrwerk wurde mit Unterstützung des Freundeskreises in Eigenregie auf ein Airride-Fahrwerk umgebaut. An der Vorderachse reichte es, die Federn gegen Luftbälge zu tauschen. An der Hinterachse griff Matthias auf Zubehör von HP Drivetech mit gekürzten KW-Dämpfern zurück. Durch die Impressionen auf der Night of Wheels, die sich in den letzten Jahren in der Alpenrepublik zu einem der angesagtesten Events entwickelt hat, war Matthias sofort klar, welchen Tuning-Stil er wollte. Für den Bautechniker führt einfach kein Weg am „OEM+"-Tuning vorbei.

OEM+ für Dummies

Beim sogenannten OEM+-Tuning handelt es sich keineswegs um das oftmals zitierte „FFF-Tuning" (Fahrwerk, Felgen, Fertig-Tunings). Stattdessen geht es darum, seinen Wagen mit Originalteilen und Teilen anderer Modelle aus demselben Automobilkonzern in Szene zu setzen. Dank der Plattformpolitik des Volkswagen-Konzerns ist dies heute eigentlich ein Kinderspiel – solange man über das nötige Kleingeld verfügt. Komponenten, die nicht vom Autohersteller selbst stammen, sind meist große Räder, Gewinde- oder Airride-Fahrwerke. Der Umbau wird dabei so zielgerichtet umgesetzt, dass viele das Tuning erst auf den zweiten Blick oder überhaupt nicht erkennen. Schließlich soll bei dieser Art des Tunings der Eindruck entstehen, als wäre das veredelte Auto bereits ab Werk so vom Band gelaufen. Die Königsdisziplin des „OEM+" ist es, ein altes Auto, wie etwa einen Einser-Golf, mit einem Triebwerk vom Golf 5 GTI, Porsche-Sitzen sowie einem Armaturenbrett vom Audi TT aufzuwerten. So weit trieb es dann Matthias bei seinem Seat nicht, aber er ist auf dem besten Weg dorthin, wie ein Blick in den Innenraum seines Fahrzeugs beweist.

GTI inside

Die Golf-Fans unter euch werden ihren Augen kaum trauen, und mir ist es nicht anders ergangen. Sitze und Rückbank tragen den aus dem Golf 6 GTI bekannten „Jacky-Stoff". Denselben Farbton mit dem zeitlosen Karomuster gab es dann auch für die Türen, die A-, B- und C-Säulen, Himmel und natürlich auch fürs Armaturenbrett. Wobei das Cockpit beinahe bis in die letzte Pore mit dem GTI-Karomuster geadelt wurde. Der Wahnsinn. Dass dann natürlich auch das Lenkrad, Handbremse, Schaltkulisse und Mittelkonsole „Jacky-Stoff" tragen, ist doch eine Ehrensache. Wer die Innenausstattung länger betrachtet, entdeckt, dass alle Kanten und Nähte mit roten Fäden genäht wurden und diverse Stellen schwarzes Porsche-Nappaleder tragen. Als Kontrast findet schwarzer Klavierlack auf diversen Kunststoffoberflächen Verwendung. Perfektioniert wird der OEM-Auftritt mit einem Cupra-R-Schaltknauf. „Ich will hier auch gleich ein Dankeschön an Benjamin Schäffer richten, der hat mir ja schließlich seinen ehemaligen Innenraum verkauft", freut sich Matthias noch immer. Der sich zum reinen Schönwetter- und Treffenauto herausgeputzte Leon zeigt aber auch an der Karosserie noch zahlreiche weitere Qualitäten.

Dezenter Breitbau und zwei Felgendesigns

Im sogenannten Two-Face-Style hat Matthias seine Felgen montiert. Darunter versteht man, dass man zwei verschiedene Felgendesigns an einem Wagen montiert. Auf der Fahrerseite drehen sich unter den dezent um etwa 40 und 30 Millimeter verbreiterten Radhäusern 8,5 x 20 Zoll ET35 messende AMG-Felgen. Natürlich in einem hochglanzverdichteten Finish. Auf der gegenüberliegenden Seite glänzen die Felgen vom RS4 in 8,5 x 20 Zoll ET45. Bei den vier Gummis handelt es sich um Achilles-ATR-Sport-Reifen in 225/30-20.Sehr nett anzuschauen. Seinen OEM+Tuning-Auftritt krönt Matthias aber mit seiner montierten Bremsanlage. Während an der Hinterachse eine komplette Audi-R8-Bremse nichts Besonderes mehr ist, ist der Umbau an der Vorderachse eine pure Sonderanfertigung mit angepassten Audi-S8-Bremsscheiben und Porsche-Panamera-Turbo-Sätteln. Abgerundet wird der königliche Auftritt des Leon mit leichten Cleanings und Scheinwerfern. Der Seat macht wirklich Lust auf mehr, vielleicht sollte ich irgendwie meinen Terminkalender entrümpeln, um bei der nächsten Night on Wheels selbst mal auf Studienreise zu gehen ...

TECHNISCHE DATEN 

Seat Leon II (1P), Baujahr 2012, von Mathias Polsterer

Motor 1.197 ccm Vierzylinder-TSI (CBZB), 77 kW (105 PS)
Fahrwerk Eigenbau-Airride auf Basis eines KW-Gewindefahrwerks vorne, HP Drivetech mit gekürzten KW-Dämpfern an der Hinterachse
Rad/Reifen 2 x Mercedes-AMG-Leichtmetallfelgen in 8,5 x 20 Zoll ET35 und 2 x Audi RS4 (B8) Leichtmetallfelgen in 8,5 x 20 Zoll ET45, alle Felgen hochglanzverdichtet, Reifen in 225/30-20 von Achilles ATR Sport
Karosserie Kotflügel vorne und Cupra-Frontschürze um 40 mm verbreitert, Heckschürze und hinteren Kotflügel um 30 mm verbreitert; Blinker gecleant; Heckemblem entfernt; Serienscheinwerfer mit US-Standlichtfunktion erweitert; alle schwarzen Kunststoffteile und Grill mit schwarzem Klavierlack lackiert
Bremsen Audi-S8-Bremsscheibe vorne mit Porsche-Panamera-Turbo-Bremssattel in originalen Porsche-Farben (Bremsscheibe ist eine Sonderanfertigung der quattro GmbH), Audi-R8-Bremsanlage mit 356-mm-Scheiben hinten, Audi-R8-Handbremssattel
Interieur komplette Innenausstattung (Armaturenbrett, Himmel, Sitze, Rückbank, Sonnenblenden, Türverkleidungen, Rückbank, Mittelkonsole, Schaltkulisse, Handbremse, Lenkrad) mit VW Golf 6 GTI „Jacky Stoff" bezogen; diverse Kanten wie etwa Seitenschalen der Sitze, Handbremsgriff usw. mit schwarzem Porsche-Nappaleder bezogen, rote Ziernähte; diverse Kunststoffteile in Klavierlack gehüllt; Airridetank mit rotem Bentley-Nappaleder bezogen, Cupra-R-Schaltknauf
Auspuff  ab Kat-Auspuffanlage mit Doppelendrohr
Dank an Werkstatt Hösele und Sagmüllner; Familie Galik, Benjamin Schäffer